Als ich in einem Beileidsschreiben nach dem plötzlichen Tod unseres jüngsten Kindes den Satz las „Ich habe keine Worte“, wurde mir bewusst, dass auch mir die Worte abhanden gekommen waren. Denn es gab sie nicht, die Worte des Trostes. Und so blieb mir nichts anderes übrig, als das, was ich nicht in Worte zu fassen vermochte, anderweitig zum Ausdruck zu bringen.

Jemand, der vor einem Abgrund steht, braucht etwas, woran er sich festhalten kann. Für mich waren es meine Bilder, die ich während meiner Begleitung Sterbender und Trauernder gemalt hatte: „Metamorphosen des Abschieds“. Ich empfand sie jetzt wie eine Vorahnung. Wie ein Vulkan, der bereits vor seinem Ausbruch zu brodeln begann.

Ich war nicht vorbereitet auf diesen Schicksalsschlag, allenfalls auf die Botschaft: Trauern ist Leben in Seelentiefe. Man sagt Künstlern und Kindern nach, sie durchleben die Welt in Seelentiefe. Ich bin der Meinung das gilt auch für Trauernde.